Description (deu)
In den letzten Jahren wird der Begriff „Young Carers“ medial immer mehr thematisiert und diskutiert. Allein in Österreich gibt es rund 43.000 sogenannte Young Carers. Als Young Carers werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die mit pflegebedürftigen Angehörigen zusammenleben und in deren körperliche, emotionale und/oder medizinische Versorgung eingebunden sind. Die Rolle der jungen Pflegepersonen kann sowohl emotional als auch physisch sehr belastend sein und kann ihre Ausbildung, ihre sozialen Beziehungen und ihre eigene psychische Gesundheit beeinträchtigen. Obwohl sie Verantwortungen übernehmen, die über ihren Entwicklungsstand hinausgehen, und einen großen Teil dazu beitragen, das Familienleben aufrechtzuerhalten, sind junge Pflegepersonen eine oft übersehene Gruppe. Der Grund dafür liegt einerseits darin, dass Young Carers sich ihrem Umfeld nicht anvertrauen, da sie sich häufig für ihre Situation schämen oder auch von Familienangehörigen unter Druck gesetzt werden, innerfamiliäre Probleme nicht nach außen zu tragen. Andererseits identifizieren sich Young Carers des Öfteren auch selbst nicht als Pflegende, da sie in ihre Pflegerolle schleichend hineinwachsen. Sie betrachten ihre Situation als Normalzustand und wenden sich daher nur selten an ihr näheres soziales Umfeld, geschweige denn an Beratungsstellen oder Sozialarbeiter:innen. Daher stellt es für Professionist:innen der Sozialen Arbeit eine Herausforderung dar, ebendiese Belastungssituationen bei betroffenen Kindern und Jugendlichen zu identifizieren. Das Ziel der vorliegenden Masterthese besteht unter anderem darin, Einblick in die Situation pflegender Kinder und Jugendlichen zu geben. Es wird erforscht, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um Young Carers zu erkennen und sie bzw. betroffene Angehörige mit Unterstützungsmaßnahmen zu erreichen. Schließlich wird die Methode des Familienrats, die eine mögliche Unterstützungsform für diese Zielgruppe darstellt, beleuchtet. Es wird untersucht, wie für Young Carers und deren Angehörige ein Zugang zum Familienrat geschaffen werden kann, wer mögliche Vertrauenspersonen sein können und inwieweit An- und Zugehörige die Umsetzung des Familienrats beeinflussen. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurden Interviews mit ehemaligen Young Carers und Professionist:innen, die im Umfeld von Young Carers tätig sind, geführt und anhand der Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Abgeleitet von den Ergebnissen und der Quellenlage werden Empfehlungen formuliert, auf deren Grundlage pflegende Kinder und Jugendliche sowie deren Familien mit der Methode Familienrat erreicht werden können.