Title
Unterpräsentierte Studierendengruppen im Studium Soziale Arbeit
Subtitle (de)
Barrieren beim Zugang und im Studium
Description (de)
Fachhochschule St. Pölten, Masterarbeit 2022, Studiengang Soziale Arbeit
Description (de)
Soziale Arbeit als Profession setzt sich auf Grundlage der Menschenrechte für die Förderung von Inklusion und Diversität in verschiedenen Gesellschaftsbereichen ein. Im Hinblick auf die Hochschulbildung ist bekannt, dass Personen, die bestimmte Merkmale aufweisen, geringer vertreten sind, wodurch es zu einer Reproduktion von Benachteiligungen im Bildungssystem für ohnehin schlechter gestellte Gruppierungen kommt. Gerade im Studiengang der Sozialen Arbeit erscheint die Akzeptanz der Chancenungleichheit potenzieller Studierender als unzureichend. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit – durch die Untersuchung von drei unterrepräsentierten Studierendengruppen und derer Herausforderungen auf dem Weg zum Studium sowie im Studium – Lösungsvorschläge zu entwickeln, die betreffende Personen hinsichtlich der Aufnahme und des Verbleibs im Studium zu unterstützen und so zu einem diversitätsorientierten Studiengang der Sozialen Arbeit beizutragen. Daraus ergeben sich folgende Forschungsfragen: Mit welchen Herausforderungen sind die im Hochschulsystem unterrepräsentierten Gruppen auf dem Weg zum Studium und während des Studiums Sozialer Arbeit konfrontiert? Welche Veränderungen sind nötig, um das Studium im Hinblick auf Zugang und Verbleib inklusiver zu gestalten? Die Untersuchung erfolgte mithilfe 16 qualitativer leitfadengestützter Interviews nach Lamnek und Krell (2016) mit Bachelor- und Masterstudierenden der Sozialen Arbeit aus den Gruppen Studierende mit Migrationsbiografie, armutsbetroffene Studierende sowie Studierende mit Kind. Die Auswertung orientiert sich an der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018). Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Studierenden einer Vielzahl an Herausforderungen auf dem Weg zum und im Studium gegenüberstehen. Armutsbetroffene Studierende beschreiben ebenso wie Studierende mit Kind die Vereinbarkeit von Studium, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung als besondere Erschwernisse. Als problematisch nehmen Studierende der beiden Untersuchungsgruppen zudem die Altersbegrenzung sowie die Zuverdienstgrenze beim Bezug des Selbsterhalter*innenstipendiums wahr, die speziell ältere Studierende sowie Alleinerziehende benachteiligen. Studierende mit Migrationsbiografie berichten von sprachlichen Barrieren im Rahmen des Studiums, die mit einem höheren Zeitaufwand für studienbezogene Aufgaben einhergehen. Mit Bezugnahme auf die Fachhochschulen bedarf es flexiblerer Abgabe- und Prüfungsmodalitäten sowie Anwesenheitsregelungen als auch verschiedener Angebote, um unterrepräsentierte Studierendengruppen zu fördern ebenso wie einer Adaptierung des Aufnahmeprozederes, damit zukünftig auch das Erfahrungswissen von Bewerber*innen Anerkennung findet. Auf Seiten der Sozialpolitik sind finanzielle und soziale Leistungen erforderlich, welche die Chancenungleichheit in der Hochschulbildung nicht verstärken, sondern unterrepräsentierte Gruppen fördern, um die Dauer eines Studiums überbrücken zu können. Augenfällig ist, dass sich die Umsetzung des Studiums für jene Personen, die sich mehreren Gruppierungen zuordnen können, als besonders schwierig erweist.
Description (de)
Social work as a profession is committed to promoting inclusion and diversity in various sectors of society based on human rights. With regard to higher education, it is well known that individuals who exhibit certain characteristics are less represented, resulting in the reproduction of disadvantages in the educational system for groups that are already worse off. Especially in the study program of social work, the acceptance of the inequality of opportunities of potential students seems to be insufficient. Against this background, the aim of this study is - by examining three underrepresented student groups as well as their challenges on the way to study as well as in study - to develop solutions that support the persons concerned with regard to admission and retention in study and contribute to a diversity-oriented course of study in social work. This leads to the following research questions: What challenges do underrepresented groups in the higher education system face on the path to study and during social work studies? What changes are needed to make studies more inclusive in terms of access and retention? The study was conducted with the help of 16 qualitative guided interviews according to Lamnek and Krell (2016) with bachelor's and master's students of social work from the groups of students with migration biographies, students affected by poverty, and students with children. The analysis is based on the Qualitative Content Analysis according to Kuckartz (2018). The results show that the surveyed students face a variety of challenges on their way to and in their studies. Students experiencing poverty, as well as students with children, describe the reconciliation of studies, gainful employment, and childcare as a particular difficulty. Students in both study groups also perceive the age limit and the additional earnings limit for receiving the self-employed scholarship as problematic, which particularly disadvantage older students and single parents. Students with a migration biography report language barriers in the context of their studies, which are associated with a higher time requirement for study-related tasks. With reference to the universities of applied sciences, there is a need for more flexible submission and examination modalities as well as attendance regulations and various offers to support underrepresented student groups as well as an adaptation of the admission procedure so that the experience knowledge of applicants is also recognized in the future. On the social policy side, financial and social benefits are needed that do not reinforce the inequality of opportunity in higher education, but rather support underrepresented groups in order to be able to bridge the duration of a course of study. It is striking that the implementation of studies proves to be particularly difficult for those persons who can be assigned to more than one group.
Keywords (de)
Sozialarbeit ; Studium ; Soziale Ungleichheit ; Sozialarbeit ; Student ; Unterprivilegierung ;