Title (deu): Auswirkungen der Kameragröße auf die aktuelle Angstemotion gefilmter Personen

Author: Sigel, C. (Clemens)

Description (deu): Masterarbeit, Fachhochschule St. Pölten, Studiengang Digitale Medientechnologien, TV- und Videoproduktion, 2018

Description (deu): Filmemacher genauso wie Wissenschaftler bemerkten schon früh einen Kameraeffekt auf gefilmte Personen. Häufigere Erwähnung fand diese Beobachtung in den 1950er-Jahren, als Filmbewegungen versuchten, die Realität unverfälscht dokumentarisch festzuhalten, wodurch authentische und unangepasste Verhaltensmuster der Protagonisten besondere Relevanz bekamen. Tragbare Kamerasysteme wie 16mm-Kameras oder auch kleinere Videokameras hätten authentische Bilder liefern sollen, da man aufgrund ihrer Flexibilität nicht mehr auf inszenierte Szenen angewiesen war. Trotzdem wird nach wie vor von störenden Kameraeffekten berichtet, die zu auffallenden Verhaltensänderungen der Protagonisten führen. Wissenschaftler erkannten ähnliche “camera-related-behaviors” beim Versuch, Testpersonen zu filmen. Dabei könnte die Kamera nicht nur Ergebnisse verzerren, sondern sogar den ursprünglich untersuchten Effekt gänzlich eliminieren (Wilinska & Bülow, 2016). In ihrem Versuchsaufbau verwendeten MacIntyre und Gardner (2008) Kameras, um Studenten gezielt in Angst zu versetzen, um so die Auswirkungen der Kamera auf die Leistungsfähigkeit der Studenten während eines Sprachtests zu überprüfen. Dabei erhielten sie einen signifikanten vorübergehenden Leistungsabfall bei den Sprechübungen, wenn gefilmt wurde. Die Medientrainerin Kutzenberger (2017) bemerkt außerdem Verhaltensänderungen, die an jene einer “public speaking anxiety” erinnern. Obwohl einige Videojournalisten positive Auswirkungen kleiner Kameras auf das authentische Verhalten der Protagonisten erkennen (Marschalek, 2017, Friedel, 2006, S. 210, Kliebhan, 2008, S. 157), glauben andere Filmemacher nicht an diesen Effekt (Kaiser, 2017). Nach wie vor gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung darüber, ob eine Verbindung zwischen Kameragröße und dem Ausmaß der Angst besteht. An dem vorliegenden Experiment nahmen 60 Studenten der FH Sankt Pölten im Alter zwischen 20 und 28 Jahren teil. Darin wurde die Auswirkung der Kameragröße auf das Ausmaß der Angst über die Herzfrequenz und über State-Anxiety4 Fragebögen gemessen. Drei Gruppen zu je 20 Personen wurden zu ihrem Wohlbefinden an der FH interviewt. Bei Gruppe 1 war keine Kamera anwesend, bei Gruppe 2 kam eine kleine Kamera zum Einsatz und bei Gruppe 3 eine große. Die Ergebnisse zeigten die höchsten Messwerte der Angst sowie der Herzfrequenz in Gruppe 3 (große Kamera) und die niedrigsten bei Gruppe 1 (keine Kamera). Die Gruppe mit kleiner Kamera befand sich dazwischen.

Description (eng): Filmmakers as well as scientists noticed a camera effect on filmed persons. This effect was mentioned more frequently in the 1950’s, when filmmakers tried to show the reality in documentaries and therefore were dependent on authentic reactions of the people they filmed. Portable camera systems, as 16-mm-filmcameras or even smaller video cameras, should theoretically be able to provide authentic images, as scenes did not need to be staged anymore. Nevertheless, a disturbing camera effect was noticeable, which led to striking behavioral changes. Scientists recognized similar „camera-related-behaviours“ when they attempted to film test subjects. The camera could not only distort results, but also completely eliminate the original effect. (Wilinska & Bülow, 2016). In their experimental setup, MacIntyre and Gardner (2008) used cameras to purposely scare students to find out the effects of cameras on students’ performances in language tests. There was a significant decrease in performance when filmed. Media-Coach Kutzenberger (2017) observed changes in behaviour that reminded of those referring to „public speaking anxiety“. Although some video journalists find positive effects of using smaller video cameras in terms of more relaxed reactions (Marschalek, 2017, Friedel, 2006, S. 210 ff., Kliebhan, 2008, S. 157 ff.), other filmmaker do not believe in this effect (Kaiser, 2017). Still, there is no scientific study whether there is a connection between camera-size and the extent of anxiety, or not. 60 students of FH Sankt Pölten between the ages of 20 and 28 participated in the present experiment that aimed to measure camera-related anxiety over heart rate and State-Anxiety-Questionnaires. Three groups of 20 were interviewed: group one without using a camera, the second group using a small camera and the third group was filmed by a big camera while being interviewed. There was a significant connection between the camera size and the degree of anxiety. The results show the highest level of anxiety and heart rate in group three (big camera) and the lowest in group one (no camera at all). Group two was somewhere in-between.

Object languages: German

Date: 2018

Rights: © All rights reserved

Classification: Verhaltensmodifikation ; Videokamera ; Aufzeichnung

Permanent Identifier